Ein Ausflug in die Vergangenheit – 90 Jahre Zentralversorgung Trinkwasser Jessen

Einmal im Jahr lädt der Jessener Dorfclub- und Heimatverein e.V. zum gemeinsamen Wandern ein. Ziel ist es, die heimatliche Umgebung (neu) zu erkunden, dabei Geschichtliches und Wissenswertes zu erfahren und dem gemeinschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. Nicht selten können dabei besonders unsere älteren Dorfbewohner über selbst Erlebtes aus der Vergangenheit erzählen.

Am Sonntag, dem 15.04.2018 war es wieder so weit. Das herrliche Wanderwetter war pünktlich bestellt und ca. 60 ältere und jüngere Jessener folgten der diesjährigen Einladung mit dem Ziel, Wissenswertes zur damaligen Wasserversorgung von Jessen zu erfahren und dabei schöne gemeinsame Stunden zu erleben. Für alle die nicht mehr so gut zu Fuß waren, wurden wie immer Mitfahrgelegenheiten organisiert.

Der Weg führte uns zunächst an den Großdobritzer Wald zu dem Wasserhochbehälter. Von einer Quelle gespeist, diente er von 1927 bis kurz nach der Wende der zentralen Trinkwasserversorgung des Dorfes. Diese Anlage löste die bis dahin vorhandene Wasser-versorgung über Brunnen und Handpumpen ab und gehörte zur damaligen Zeit zu den fortschrittlichsten Projekten in Sachsen.

Hier am Wasserberg legten wir unsere erste Pause ein. Es gab frisch gegrillte Bratwürste und Getränke, um die Energiedepots wieder aufzufüllen. Besonders die Möglichkeit, einmal in den Wasserbehälter zu blicken, ließen sich besonders die Jüngeren nicht entgehen. Sehr interessant waren die einzelnen persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen der älteren Jessener zur damaligen Wasserversorgung bis zur Wende.

Noch vorhandene Einschussspuren ließen von den Kriegshandlungen zum Ende des 2. Weltkrieges ahnen. Kaum zu glauben bei diesem herrlichen Ausblick und der friedlichen Stille.

Gestärkt ging es nun zum alten Pumpenhaus an der Bahnstrecke Leipzig-Dresden. Schon von weiten ist zu erkennen, dass in letzter Zeit so manches an Instandsetzungsarbeiten am Gebäude geleistet wurde.

Wir erfuhren, dass der Bau der Pumpenanlage erforderlich war, da der Wasserdruck in den damals 45 Haushalten unzureichend war. Die Anlage konnte 1929 in Betrieb genommen werden und arbeitete bis Anfang der 90iger Jahre mit Anschluss an das regionale Trinkwassersystem. Die Länge der Leitung vom Hochbehälter zum Pumpenhaus betrug 2.300 m und kostete 25.000 RM (1RM sind ca. 3€) Das Geld dazu finanzierten die damaligen Jessener anteilig. Gleichzeitig wurden bei den Verlegungsarbeiten mehrere Hydranten mit eingebaut, die der Kontrolle, Reinigung, Belüftung und Brandbekämpfung dienten. Ein eingesetzter Wasserwirt war verantwortlich, dass die Funktionstüchtigkeit der Anlage blieb und die Pumpen im Winter nicht einfroren.

In zahlreichen Stunden wurde das Pumpenhaus „entrümpelt“, sowie mit einem neuen Dach versehen. Der Innenraum des Pumpenhauses kann jederzeit besichtigt werden. Zur besseren Veranschaulichung der Bau- und Funktionsweise gibt es dazu auch eine Informationstafel im Haus.

Den Wandertag ließen wir nun mit Kaffee und Kuchen ausklingen. An alle Organisatoren einen herzlichen Dank für das gute Gelingen und die gute informationsreiche Ausarbeitung. Als „Zugezogene“ war für mich dieser geschichtliche Ausflug eine große interessante Bereicherung und lässt mich auch ein wenig stolz sein, auf die damaligen Jessener und ihre Leistungen.

Beate Haase

Im Auftrag des Jessener Dorfclub-und Heimatverein e.V.